Zwischen Swing und Geschäftsführung 

Rika Tjakea

Rika Tjakea - neue Leiterin des Kulturzentrums Eppendorf

Von Haus aus ist Rika Sängerin und Kulturwissenschaftlerin. Seit 1. Mai arbeitet sie als Geschäftsführerin von Eppendorfer Soziokultur e.V., dem Trägerverein von Kunstklinik, Geschichtswerkstatt und martini·erleben. Damit ist sie in die großen Fußstapfen ihres Vorgängers Klaus Kolb getreten. Grund genug für den „Eppendorfer Salon“, in der Martinistraße 44a vorbeizuschauen und zu fragen, wie es denn in der Kulturszene unseres Stadtteils weitergehen soll.

 

Mittwochnachmittag 15 Uhr Kunstklinik: Am Ende des Flurs erklingt Klaviermusik. Durch die Glastür können wir die Kinderballettgruppe beim Training beobachten. Neben uns im Nachbarraum erklingt Flötenmusik, jemand übt sich da an der Querflöte.

Rika Tjakea ist in Hamburg geboren und in Uhlenhorst aufgewachsen. Seit langem ist sie als Musikerin in der Norddeutschen Kultur präsent. Sie blickt zurück: „2011 habe ich mit einem 10-Stundenjob bei martini·erleben angefangen.“ Nun freut sie sich auf ihre neuen Aufgaben.

 

Von Klaus Kolb hat sie den Staffelstab für ein gut aufgebautes Fundament von Nachbarschafts- und Quartiersarbeit übernommen. Diesen Stab will sie jetzt an ihr Team und vor allem an die neuen Mitarbeiter:innen weitergeben. „Wir haben immer im Team gearbeitet. Mir liegt am Herzen, das fortzusetzen und zu intensivieren.“

Martini44 von außen

Die historische Häuserfront in der Martinistraße 44

oben: Rika Tjakea mit Staffelstab XXL - Fotos: KHL

In unserem Stadtteil kennen viele das offene Kulturzentrum Martini44 und sind ihm freundschaftlich verbunden. Rika sieht sich als „Ermöglicherin“ für den Stadtteil: „Menschen, die etwas auf die Beine stellen wollen, bieten wir unsere Hilfe an und vermieten dafür gerne auch Räume für eigene Aktivitäten.“ Gleichzeitig will sie auch inhaltliche Anschübe in den Kursen geben. Nach alter Tradition sollen die drei Vereine wieder verstärkt sozialpolitische Schwerpunkte für Interessierte setzen: „Ich denke z.B. an Kurse und Ideen in Richtung Ökologie, Migranten und genderspezifische Fragen. Da wir das allein schwer stemmen können, sind wir offen für Kooperationen mit anderen Initiativen und Vereinen, denen wir unser Haus gerne zur Verfügung stellen.“

Die Arbeit in den drei Vereinen ist durch hauptamtlich Beschäftigte nicht zu wuppen. Doch das Interesse der Menschen im Quartier an ehrenamtlichem Engagement hat sich offenbar geändert: von kontinuierlicher Vereinsarbeit zur Mitwirkung in Projekten. Rika: „Die Leute engagieren sich gerne, aber sie wollen sich meist nicht längerfristig binden. Anders als in den 80er Jahren, wo vieles politisch motiviert war, dominieren heute eher individuelle Ansätze.“ Das Team von Martinistraße („M44“) freut sich über jede/n, der mitarbeiten möchte, ob in der kontinuierlichen Vereinsarbeit oder als Helfer in den Kulturveranstaltungen.

Für den Herbst ist eine Ideen- und Planungswerkstatt im Gespräch. Schon jetzt ist sicher, dass die nächste Mitgliederversammlung auch für Gäste offen sein soll. Das Stadtteilkulturzentrum an der Martinistraße will sich für neue Nachbar:innen öffnen. „Kinder und ältere Menschen für eine Zusammenarbeit zu begeistern, ist relativ einfach “, sagt Rika Tjakea. „Ab einem Alter von 30 wird es dann schon schwieriger. Das ist eine Generationenfrage, aber da werden uns unsere neuen jüngeren Mitarbeiter bestimmt helfen.“

 

Darüber hinaus will Rika Tjakea die Öffentlichkeitsarbeit der drei Bereiche Kunstklinik, Geschichtswerkstatt und martini·erleben stärker miteinander vernetzen. „Die Leute sollen sehen, dass das alles zusammengehört.“


Kaum haben wir unseren Gedankenaustausch mit der neuen Geschäftsführerin von Kunstklinik und Co. beendet, klopft es schon an der Tür. Eine ältere Dame will wissen, ob hier die Trauergruppe tagen würde. „Ja“, meint Rika, „aber erst in einer Viertelstunde.“

Was uns zum Abschluss zeigt: Die Kunstklinik, Geschichtswerkstatt und Martini·erleben sind tatsächlich offen für alle Themen des täglichen Lebens. Wir Initiatoren vom „Eppendorfer Salon“ sind beeindruckt und wünschen Rika Tjakea und ihrem Team bei den vielfältigen Aufgaben Glück, Geschick und Erfolg.

Karl Heinz Landwehr / Hans Loose - Mai 2022